Bildungskredit für ein Auslandsstudium: Voraussetzungen, Höhe und Rückzahlung 2026
Ein Auslandsstudium kann trotz BAföG und Stipendien eine Finanzierungslücke hinterlassen. Miete, Flugtickets, Versicherungen oder hohe Lebenshaltungskosten müssen häufig bezahlt werden, bevor ein Nebenjob gefunden wird oder andere Förderungen ausgezahlt werden.
In solchen Situationen kann ein Bildungskredit für ein Auslandsstudium eine zusätzliche Finanzierungsmöglichkeit sein. Das staatliche Programm bietet bis zu 7.200 Euro und wird unabhängig vom Einkommen der Eltern vergeben.
Allerdings ist der Bildungskredit kein Stipendium. Das Geld muss später inklusive Zinsen zurückgezahlt werden. Deshalb sollte vor dem Antrag genau geprüft werden, ob der Kredit wirklich notwendig ist.
Was ist der Bildungskredit?
Der Bildungskredit ist ein Kreditprogramm der Bundesregierung für Schüler, Auszubildende und Studierende in einer fortgeschrittenen Phase ihrer Ausbildung.
Der Antrag wird beim Bundesverwaltungsamt (BVA) gestellt. Nach einer Bewilligung übernimmt die KfW die Auszahlung und spätere Rückzahlung.
Der Kredit soll insbesondere einen Teil der Lebenshaltungskosten finanzieren während:
- der Schlussphase des Studiums
- eines weiterführenden Studiums
- eines Praktikums
- bestimmter weiterer Ausbildungsphasen
Der Bildungskredit kann grundsätzlich zusätzlich zu BAföG und anderen Studienfinanzierungen genutzt werden. (kfw.de)
Kann man den Bildungskredit für ein Auslandsstudium nutzen?
Ja. Ein Bildungskredit kann auch für ein Studium an einer ausländischen Hochschule infrage kommen.
Eine wichtige Voraussetzung ist jedoch, dass die ausländische Bildungsstätte einer anerkannten deutschen Ausbildungsstätte beziehungsweise Hochschule gleichwertig ist. (kfw.de)
Das bedeutet: Nicht jedes private College oder jedes beliebige Online-Programm im Ausland ist automatisch förderfähig.
Vor dem Antrag sollte geprüft werden:
- Ist die ausländische Universität offiziell anerkannt?
- Handelt es sich um ein Vollzeitstudium?
- Befindet sich das Studium in einer förderfähigen Phase?
- Erfüllt der Antragsteller die persönlichen Voraussetzungen?
Der DAAD nennt den Bildungskredit ausdrücklich als mögliche Finanzierungsquelle für ein Auslandsstudium. Er wird unabhängig vom Einkommen der Eltern vergeben, muss aber später inklusive Zinsen zurückgezahlt werden. (daad.de)
Wer kann einen Bildungskredit bekommen?
Der Bildungskredit richtet sich nicht an jeden Studienanfänger.
Grundsätzlich müssen Antragsteller unter anderem:
- zwischen 18 und 35 Jahre alt sein
- in Vollzeit studieren oder eine förderfähige Ausbildung absolvieren
- eine geeignete Hochschule oder Ausbildungsstätte besuchen
- die aufenthaltsrechtlichen beziehungsweise BAföG-rechtlichen Voraussetzungen erfüllen
Bei einem Studium an einer ausländischen Hochschule muss diese einer entsprechenden deutschen Hochschule vergleichbar sein. (kfw.de)
Die Auszahlungsphase muss spätestens in dem Monat enden, in dem der Kreditnehmer das 36. Lebensjahr vollendet.
Welche Voraussetzungen gelten für Studierende?
Für Studierende gelten zusätzliche Bedingungen.
Eine Förderung ist insbesondere möglich, wenn der Antragsteller nicht länger als zwölf Semester studiert und eine der vorgesehenen Voraussetzungen erfüllt.
Dazu gehören beispielsweise:
- bestandene Zwischenprüfung
- erforderliche Studienleistungen bei Studiengängen ohne Zwischenprüfung
- abgeschlossenes Bachelorstudium innerhalb eines konsekutiven Studiengangs
- abgeschlossenes grundständiges Studium und anschließendes Master- oder Aufbaustudium
(kfw.de)
Das macht den Bildungskredit besonders interessant für:
- fortgeschrittene Bachelorstudierende
- Masterstudierende
- Studierende in der Abschlussphase
- bestimmte Praktika im Ausland
Für ein komplettes Erststudium vom ersten Semester an ist der Bildungskredit dagegen normalerweise nicht als alleinige Finanzierung gedacht.
Wie hoch ist der Bildungskredit 2026?
Der maximale Kreditbetrag beträgt:
7.200 Euro pro Ausbildungsabschnitt.
Studierende können zwischen drei monatlichen Auszahlungsraten wählen:
- 100 Euro pro Monat
- 200 Euro pro Monat
- 300 Euro pro Monat
Die Auszahlung kann für maximal 24 Monate erfolgen. (kfw.de)
Beispiel
Wer 24 Monate lang 300 Euro erhält, erreicht den maximalen Kreditbetrag:
24 × 300 Euro = 7.200 Euro
Der Kredit kann damit beispielsweise genutzt werden für:
- einen Teil der Miete im Ausland
- Lebensmittel
- Flugkosten
- Krankenversicherung
- Lernmaterialien
- eine begrenzte Finanzierungslücke
Für ein teures vollständiges Studium in den USA oder Großbritannien reichen 7.200 Euro allein jedoch in der Regel nicht aus.
Ist eine Einmalzahlung möglich?
Ja. Für besondere einmalige Kosten können bis zu 3.600 Euro vorab ausgezahlt werden.
Das kann beispielsweise sinnvoll sein für:
- hohe Reisekosten
- notwendige Arbeitsmaterialien
- besondere studienbezogene Ausgaben
Die Einmalzahlung kommt jedoch nicht zusätzlich zum maximalen Kreditvolumen von 7.200 Euro hinzu.
Ein Beispiel:
- 2.400 Euro Einmalzahlung
- verbleibender maximaler Kreditbetrag: 4.800 Euro
Die vollständigen 7.200 Euro können nicht einfach als einmalige Gesamtsumme ausgezahlt werden. (kfw.de)
Welche Zinsen gelten beim Bildungskredit?
Der Bildungskredit hat einen variablen Zinssatz.
Die Berechnung basiert auf:
6-Monats-EURIBOR + 1 Prozentpunkt Aufschlag
Der Zinssatz wird jeweils zum:
- April
- Oktober
für das folgende Halbjahr neu festgelegt. (kfw.de)
Das bedeutet: Die Kosten des Kredits können sich während der Laufzeit verändern.
Vor der Antragstellung sollte deshalb der aktuelle Zinssatz direkt bei der KfW geprüft werden.
Wann beginnt die Rückzahlung?
Die Rückzahlung beginnt grundsätzlich vier Jahre nach der ersten Auszahlung.
Die reguläre monatliche Rate beträgt:
120 Euro inklusive Zins und Tilgung.
Die tatsächliche Dauer der Rückzahlung hängt davon ab, wie viel Kredit aufgenommen wurde. (kfw.de)
Das Modell besteht vereinfacht aus:
- Auszahlungsphase von maximal zwei Jahren
- anschließender Karenzphase
- Beginn der Rückzahlung vier Jahre nach der ersten Auszahlung
- monatliche Rückzahlung in Höhe von 120 Euro
Während der Auszahlungs- und Karenzphase werden die Zinsen zunächst aufgeschoben und später gemeinsam mit dem Kreditbetrag zurückgezahlt.
Kann man den Bildungskredit früher zurückzahlen?
Ja.
Eine vollständige oder teilweise Sondertilgung ist jederzeit möglich und laut KfW kostenfrei. (kfw.de)
Das kann sinnvoll sein, wenn:
- nach dem Studium ein gutes Einkommen erzielt wird
- eine größere Geldsumme verfügbar ist
- weitere Zinskosten reduziert werden sollen
Einen zusätzlichen Rabatt für eine vorzeitige Rückzahlung gibt es allerdings nicht.
Was passiert bei finanziellen Problemen?
Wer die monatlichen Raten nicht zahlen kann, sollte die KfW frühzeitig kontaktieren.
Je nach finanzieller Situation können Möglichkeiten bestehen für:
- Stundung
- Zahlungsaufschub
- Reduzierung der Raten
Dafür sind aktuelle Nachweise über Einkommen und finanzielle Situation erforderlich. (kfw.de)
Die Rückzahlung sollte daher niemals einfach ohne Kontakt zur KfW eingestellt werden.
Wie beantragt man den Bildungskredit?
Der Antrag erfolgt online beim Bundesverwaltungsamt.
Schritt 1: Voraussetzungen prüfen
Kontrollieren Sie:
- Alter
- Studienphase
- Hochschulstatus
- Vollzeitstudium
- Förderfähigkeit des Auslandsstudiums
Schritt 2: Online-Antrag stellen
Der Antrag wird über das offizielle Portal des Bundesverwaltungsamtes eingereicht.
Schritt 3: Nachweise hochladen
Je nach Situation können beispielsweise erforderlich sein:
- Immatrikulationsbescheinigung
- Leistungsnachweis
- Nachweis über den bisherigen Studienverlauf
- Informationen zur ausländischen Hochschule
- Identitätsnachweis
Schritt 4: Kreditangebot prüfen
Nach einer Bewilligung erhalten Sie den Bescheid des Bundesverwaltungsamtes und ein Kreditangebot der KfW.
Schritt 5: Identität bestätigen und Vertrag abschließen
Nach der vorgeschriebenen Legitimation wird der Kreditvertrag abgeschlossen und die Auszahlung beginnt. Auch für Personen, die sich bereits im Ausland befinden, gibt es Möglichkeiten zur Identifizierung. (kfw.de)
Bildungskredit oder Auslands-BAföG?
Wer ein Auslandsstudium plant, sollte zuerst Auslands-BAföG prüfen.
Der wichtigste Unterschied:
- Auslands-BAföG: teilweise Zuschuss, nicht alles muss zurückgezahlt werden
- Bildungskredit: Kreditbetrag plus Zinsen muss zurückgezahlt werden
Eine sinnvolle Reihenfolge lautet daher:
- Auslands-BAföG prüfen
- Stipendien suchen
- Erasmus+ oder PROMOS prüfen
- eigene Finanzierungsmöglichkeiten berechnen
- Bildungskredit nur für die verbleibende Lücke nutzen
Der Bildungskredit kann grundsätzlich mit BAföG kombiniert werden. (kfw.de)
Fazit
Ein Bildungskredit für ein Auslandsstudium kann 2026 eine sinnvolle Lösung für eine begrenzte Finanzierungslücke sein.
Die wichtigsten Konditionen sind:
- bis zu 7.200 Euro Kredit
- 100, 200 oder 300 Euro monatlich
- maximal 24 Monate Auszahlung
- bis zu 3.600 Euro mögliche Einmalzahlung
- variable Verzinsung
- Rückzahlungsbeginn vier Jahre nach der ersten Auszahlung
- reguläre Rate von 120 Euro pro Monat
Der größte Vorteil ist die Vergabe unabhängig vom Einkommen der Eltern. Der größte Nachteil: Es handelt sich um Schulden, die inklusive Zinsen zurückgezahlt werden müssen.
Deshalb sollte der Bildungskredit nicht die erste, sondern eine ergänzende Finanzierungsmöglichkeit für das Auslandsstudium sein.
Offizielle Quellen
- Bundesverwaltungsamt – Bildungskredit
- Bildungskreditprogramm der Bundesregierung
- KfW – Bildungskredit Nr. 173
- BVA – Online-Antrag Bildungskredit
- DAAD – Finanzierung eines Auslandsstudiums