Studieren in Österreich für deutsche Studierende: Kosten und Bewerbung
Studieren in Österreich für deutsche Studierende
Österreich gehört wegen der gemeinsamen Sprache, der geografischen Nähe und der vergleichsweise niedrigen Studiengebühren zu den beliebtesten Studienzielen deutscher Studierender.
Wer in Österreich studieren möchte, benötigt als deutscher Staatsangehöriger kein Studentenvisum. Die Bewerbung erfolgt jedoch direkt bei der jeweiligen Universität oder Fachhochschule. Besonders bei Medizin, Psychologie, Architektur und wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen müssen teilweise frühzeitige Aufnahmeverfahren absolviert werden.
Universität oder Fachhochschule?
Das österreichische Hochschulsystem umfasst mehrere Hochschularten.
Öffentliche Universitäten
Öffentliche Universitäten sind überwiegend wissenschaftlich und forschungsorientiert. Zu den bekanntesten gehören:
- Universität Wien
- Universität Graz
- Universität Innsbruck
- Universität Salzburg
- Johannes Kepler Universität Linz
- Technische Universität Wien
- Technische Universität Graz
- Wirtschaftsuniversität Wien
- Universität Klagenfurt
Fachhochschulen
Fachhochschulen bieten stärker praxisorientierte Studiengänge. Häufig gehören Praktika, Projektarbeiten und Kooperationen mit Unternehmen zum Studium.
Für fast alle FH-Programme gibt es ein Aufnahmeverfahren, das beispielsweise aus folgenden Bestandteilen bestehen kann:
- schriftliche Bewerbung,
- Online- oder Fachtest,
- Motivationsschreiben,
- Aufnahmegespräch,
- Gruppenaufgabe.
Fachhochschulen besitzen eigene Bewerbungsfristen und Auswahlverfahren. Bewerbungen sind teilweise bereits viele Monate vor dem Semesterbeginn erforderlich.
Wird das deutsche Abitur anerkannt?
Deutsche Bewerber benötigen für ein Bachelorstudium grundsätzlich einen Schulabschluss, der in Deutschland zum Hochschulstudium berechtigt. Das deutsche Abitur erfüllt diese allgemeine Voraussetzung normalerweise.
Typischerweise werden verlangt:
- deutsches Abiturzeugnis,
- Reisepass oder Personalausweis,
- ausgefüllter Onlineantrag,
- gegebenenfalls Sprachnachweis,
- Unterlagen zum Aufnahmeverfahren,
- eventuell Lebenslauf oder Motivationsschreiben.
Die endgültige Entscheidung trifft die jeweilige österreichische Hochschule. Sie kann zusätzliche fachliche Voraussetzungen oder bestimmte Schulfächer verlangen.
Eine deutsche Fachhochschulreife berechtigt nicht automatisch zum Studium an jeder österreichischen Universität. An Fachhochschulen kann sie je nach Ausbildung und Studiengang akzeptiert werden. Teilweise ist auch eine einschlägige berufliche Qualifikation ausreichend.
Voraussetzungen für ein Masterstudium
Für einen Master benötigen deutsche Studierende normalerweise:
- einen fachlich passenden Bachelorabschluss,
- mindestens 180 ECTS,
- vollständige Notenübersichten,
- gegebenenfalls Modulbeschreibungen,
- eventuell Sprachkenntnisse,
- bei selektiven Programmen weitere Bewerbungsunterlagen.
Die Universität prüft, ob das bisherige Bachelorstudium fachlich gleichwertig ist. Fehlende Inhalte können zu zusätzlichen Prüfungen führen oder eine Zulassung verhindern. Ein deutscher Bachelorabschluss garantiert daher nicht automatisch die Aufnahme in jeden österreichischen Master.
Wie bewirbt man sich in Österreich?
Österreich besitzt kein einheitliches Bewerbungsportal für alle Hochschulen. Die Zulassung wird von jeder Bildungseinrichtung selbst organisiert.
Der übliche Ablauf:
- Studiengang auf der Hochschulwebsite suchen.
- Zugangsvoraussetzungen kontrollieren.
- Onlinekonto im Bewerbungsportal erstellen.
- Zeugnisse und Ausweisdokumente hochladen.
- gegebenenfalls für ein Aufnahmeverfahren registrieren.
- Bewerbungs- oder Prüfungsgebühr bezahlen.
- Aufnahmeprüfung oder Interview absolvieren.
- Zulassungsbescheid erhalten.
- Einschreibung abschließen.
- ÖH-Beitrag beziehungsweise Studienbeitrag bezahlen.
Die offiziellen Anforderungen stehen immer auf der Website der gewählten Hochschule.
Bewerbungsfristen 2026/2027
Es gibt keine einheitliche Bewerbungsfrist für alle österreichischen Hochschulen.
An der Universität Wien gelten für EU- und EWR-Staatsangehörige bei Studiengängen ohne Aufnahmeprüfung beispielsweise folgende Antragsfristen:
- Wintersemester 2026/2027: 22. Juni bis 5. September 2026
- Sommersemester 2027: 16. November 2026 bis 5. Februar 2027
Das Wintersemester beginnt dort am 1. Oktober 2026, das Sommersemester am 1. März 2027.
Diese Termine gelten nicht automatisch für andere Hochschulen. Fachhochschulen und Studiengänge mit Aufnahmeverfahren können wesentlich frühere Fristen besitzen.
Bei Programmen mit Aufnahmeprüfung kann die Registrierung bis zu sechs Monate vor dem Semesterbeginn enden.
Welche Studiengänge haben Aufnahmeverfahren?
Zulassungsbeschränkungen können unter anderem bestehen bei:
- Humanmedizin
- Zahnmedizin
- Psychologie
- Biologie
- Informatik
- Architektur
- Betriebswirtschaft
- Kommunikationswissenschaft
- Kunst und Musik
- zahlreichen Fachhochschulprogrammen
Die konkrete Auswahl ist von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich. Bei Medizin erfolgt die Zulassung an den öffentlichen medizinischen Universitäten über den Aufnahmetest MedAT.
An der Universität Wien lief die Registrierung für zahlreiche Bachelor- und Diplomstudiengänge mit Aufnahmeverfahren im Studienjahr 2026/2027 bereits vom 2. März bis 4. Mai 2026. Wer eine solche Frist verpasst hat, kann häufig erst am nächsten jährlichen Aufnahmeverfahren teilnehmen.
Studiengebühren in Österreich 2026/2027
Deutsche Staatsangehörige werden an öffentlichen Universitäten grundsätzlich wie österreichische beziehungsweise andere EU-Studierende behandelt.
Während der Mindeststudienzeit zuzüglich zwei Toleranzsemestern wird an öffentlichen Universitäten normalerweise kein allgemeiner Studienbeitrag erhoben. Danach werden 363,36 Euro pro Semester fällig.
Unabhängig von der Studiengebühr müssen alle Studierenden den verpflichtenden ÖH-Beitrag bezahlen. Für das Studienjahr 2026/2027 wurde dieser mit 26,20 Euro pro Semester angegeben.
Gebühren an Fachhochschulen
Österreichische Fachhochschulen dürfen Studiengebühren verlangen. Ob und in welcher Höhe Gebühren erhoben werden, entscheidet die jeweilige Einrichtung.
Private Hochschulen
Private Universitäten legen ihre Gebühren selbst fest. Je nach Studiengang können mehrere Tausend Euro pro Semester oder Studienjahr anfallen. Vor der Bewerbung sollten deshalb immer die vollständigen Gebührenbedingungen geprüft werden.
Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten?
Das offizielle Portal Study in Austria nennt durchschnittliche Lebenshaltungskosten von etwa 1.300 Euro pro Monat.
Als Orientierung werden angegeben:
- Unterkunft: etwa 450 bis 700 Euro
- Lebensmittel: ungefähr 300 Euro
- Studium, Mobilität und persönliche Ausgaben: ungefähr 500 Euro
In Wien und anderen größeren Städten können Miete und Alltagskosten höher sein als in kleineren Hochschulorten.
Für ein Studienjahr sollte daher ohne private Studiengebühren ungefähr mit 15.600 Euro gerechnet werden. Hinzu kommen eventuell Mietkaution, Umzug, ÖH-Beitrag und einmalige Anschaffungen.
Brauchen deutsche Studierende ein Visum?
Deutsche Staatsangehörige benötigen als EU-Bürger kein Visum und keine klassische Aufenthaltserlaubnis.
Bei einem Aufenthalt von mehr als drei Monaten müssen sie jedoch ausreichende finanzielle Mittel und einen umfassenden Krankenversicherungsschutz besitzen. Zusätzlich muss innerhalb von vier Monaten nach der Einreise eine Anmeldebescheinigung bei der zuständigen Aufenthaltsbehörde beantragt werden.
Davon zu unterscheiden ist die normale Wohnsitzanmeldung. Der neue Wohnsitz muss grundsätzlich innerhalb von drei Tagen nach dem Einzug angemeldet werden. Dafür wird ein vom Unterkunftgeber unterschriebener Meldezettel benötigt.
Krankenversicherung in Österreich
Deutsche Studierende, die weiterhin gesetzlich in Deutschland versichert sind, können häufig ihre Europäische Krankenversicherungskarte verwenden. Vor dem Umzug sollte die deutsche Krankenkasse bestätigen, ob der Versicherungsschutz für ein vollständiges Studium in Österreich ausreicht.
Alternativ kann unter bestimmten Voraussetzungen eine österreichische studentische Selbstversicherung abgeschlossen werden. Diese kostet 2026 monatlich 78,84 Euro. Voraussetzungen bestehen unter anderem hinsichtlich Studienfortschritt, Fachwechsel und Versicherungsstatus.
Finanzierung mit Auslands-BAföG
Ein vollständiges Studium in Österreich kann grundsätzlich durch Auslands-BAföG gefördert werden, da Österreich zur Europäischen Union gehört.
Zusätzlich zum normalen Bedarf können unter bestimmten Voraussetzungen Zuschläge gewährt werden fürhttps://eduminde.com/wp-admin/:
- Hin- und Rückreise,
- Krankenversicherung,
- notwendige Studiengebühren,
- weitere auslandsbedingte Kosten.
Auch Studierende, die in Deutschland kein BAföG erhalten, sollten einen Antrag prüfen, weil zusätzliche Auslandskosten berücksichtigt werden können.
Erasmus+ für ein Auslandssemester
Wer nur ein oder zwei Semester in Österreich verbringen möchte, kann sich über das International Office seiner deutschen Hochschule für Erasmus+ bewerben.
Erasmus-Studierende sind an der Gasthochschule grundsätzlich von Gebühren für Unterricht, Anmeldung und Prüfungen befreit. Zusätzlich können eine monatliche Förderung und mögliche Sozialzuschläge gezahlt werden.
Dürfen deutsche Studierende arbeiten?
Deutsche Studierende dürfen als EU-Bürger ohne österreichische Arbeitserlaubnis beschäftigt oder selbstständig tätig werden. Für sie gelten grundsätzlich dieselben arbeitsrechtlichen Bedingungen wie für österreichische Staatsangehörige.
Ein Nebenjob kann das Budget ergänzen, sollte aber nicht die einzige Finanzierungsquelle sein. Besonders in Wien können Miete und Lebenshaltungskosten einen großen Teil des Einkommens verbrauchen.
Fazit
Studieren in Österreich für deutsche Studierende ist rechtlich und sprachlich vergleichsweise unkompliziert. Ein Visum ist nicht erforderlich, und an öffentlichen Universitäten fallen innerhalb der regulären Studiendauer plus zwei Toleranzsemestern normalerweise keine allgemeinen Studiengebühren an.
Die Bewerbung erfolgt direkt bei der jeweiligen Hochschule. Besonders bei Medizin, Psychologie, Architektur, Kunst und Fachhochschulprogrammen müssen frühe Aufnahmefristen beachtet werden.
Mit durchschnittlich rund 1.300 Euro monatlichen Lebenshaltungskosten ist Österreich jedoch nicht automatisch günstiger als Deutschland. Auslands-BAföG, Erasmus+ und Hochschulstipendien sollten deshalb frühzeitig geprüft werden.
Offizielle Quellen
- Study in Austria – Bewerbung und Zulassung
- Study in Austria – Studiengebühren
- Study in Austria – Lebenshaltungskosten
- Österreichisches Behördenportal – Aufenthalt von EU-Bürgern
- Österreichisches Behördenportal – Wohnsitzanmeldung
- Österreichische Gesundheitskasse – Selbstversicherung für Studierende
- Deutsches Studierendenwerk – Auslands-BAföG
- DAAD – Auslandsstudium mit Erasmus+



