Studieren in Italien für deutsche Studierende: Universitäten, Kosten und Stipendien
Studieren in Italien für deutsche Studierende
Italien bietet deutschen Studierenden eine große Auswahl an öffentlichen Universitäten, englischsprachigen Masterprogrammen und vergleichsweise moderaten Studiengebühren. Besonders beliebt sind Hochschulstädte wie Bologna, Mailand, Rom, Padua, Turin und Florenz.
Deutsche Staatsangehörige benötigen kein Studentenvisum. Sie zahlen an öffentlichen Universitäten jedoch grundsätzlich Studiengebühren, deren Höhe häufig vom Einkommen der Familie und vom gewählten Studiengang abhängt. Für ein Studium im Jahr 2026 sollten zusätzlich monatlich etwa 700 bis 1.100 Euro für den Lebensunterhalt eingeplant werden.
Studieren in Italien für deutsche Studierende: Welche Universitäten in Italien sind für Deutsche interessant?
Über das offizielle Portal Universitaly können Bewerber nach anerkannten Hochschulen, Studiengängen, Unterrichtssprachen und Zulassungsvoraussetzungen suchen.
Zu den bekannten Studienmöglichkeiten gehören:
Universität Bologna
Die Universität Bologna bietet Studiengänge in zahlreichen Bereichen, darunter:
- Wirtschaft und Management;
- Politik- und Sozialwissenschaften;
- Informatik;
- Ingenieurwissenschaften;
- Geisteswissenschaften;
- Medizin und Gesundheitswissenschaften.
Die Universität besitzt neben Bologna weitere Standorte, unter anderem in Cesena, Forlì, Ravenna und Rimini.
Politecnico di Milano
Das Politecnico di Milano ist besonders für folgende Studienrichtungen interessant:
- Architektur;
- Bauingenieurwesen;
- Maschinenbau;
- Elektrotechnik;
- Informatik;
- Design.
Viele Masterprogramme werden vollständig auf Englisch angeboten. Die Studiengebühren werden unter anderem anhand der finanziellen Situation des Studierenden berechnet.
Sapienza Universität Rom
Sapienza bietet eine sehr große Auswahl an Bachelor-, Master- und Promotionsprogrammen. Zu den Fachbereichen gehören unter anderem Medizin, Ingenieurwissenschaften, Informatik, Wirtschaft, Psychologie und Geisteswissenschaften.
Bei den englischsprachigen Bachelor- und Masterprogrammen nennt Sapienza je nach Herkunfts- und Gebührenkategorie Beiträge von etwa 300 bis 1.500 Euro pro Jahr. Die endgültige Einstufung muss individuell geprüft werden.
Universität Padua
Die Universität Padua eignet sich besonders für Studierende, die einen englischsprachigen Bachelor oder Master suchen. Sie bietet Programme in Naturwissenschaften, Psychologie, Ingenieurwesen, Wirtschaft und weiteren Fachrichtungen.
Für 2026/2027 gab es mehrere Bewerbungsrunden. Eine zusätzliche Runde vom 2. Juni bis 2. August 2026 war ausschließlich für EU-Bürger und bereits in Italien lebende Nicht-EU-Bewerber vorgesehen.
Private Universitäten
Private Hochschulen wie die Bocconi University in Mailand bieten spezialisierte Studiengänge in Wirtschaft, Finanzen, Management und Sozialwissenschaften. Die Gebühren privater Einrichtungen sind jedoch meist deutlich höher als an öffentlichen Universitäten.
Wie hoch sind die Studiengebühren in Italien?
Die Gebühren unterscheiden sich nach Universität, Studiengang und finanzieller Situation.
Als allgemeine Orientierung gelten:
- öffentliche Universitäten: etwa 900 bis 4.000 Euro pro Jahr;
- private Hochschulen: etwa 6.000 bis über 20.000 Euro pro Jahr;
- zusätzliche Regionalabgaben und Verwaltungsgebühren;
- mögliche höhere Gebühren bei verspäteter Einschreibung oder wiederholten Studienjahren.
Viele öffentliche Universitäten reduzieren die Gebühren, wenn die Familie nur über ein geringes oder mittleres Einkommen verfügt.
Gebührenbeispiel Politecnico di Milano
Für einen regulären Studienplan zwischen 46 und 74 ECTS liegen die jährlichen Beiträge abhängig vom ISEE-Wert zwischen 157,04 Euro und maximal 3.943,04 Euro. Studienanfänger im akademischen Jahr 2026/2027 müssen bei der Einschreibung zunächst eine erste Rate von 880,04 Euro bezahlen; mögliche Ermäßigungen werden nach den geltenden Regeln berücksichtigt.
Was ist ISEE beziehungsweise ISEEU?
ISEE ist ein italienischer Indikator zur Bewertung der wirtschaftlichen Situation einer Familie. Er wird für Gebührenermäßigungen, Stipendien und soziale Leistungen verwendet.
Deutsche Studierende, deren Familie Einkommen und Vermögen außerhalb Italiens besitzt, benötigen häufig eine vergleichbare Berechnung, die als ISEEU parificato bezeichnet wird. Dafür können übersetzte und gegebenenfalls beglaubigte Nachweise über folgende Punkte erforderlich sein:
- Einkommen der Familienmitglieder;
- Bankguthaben und andere Vermögenswerte;
- Immobilienbesitz;
- Zusammensetzung des Haushalts.
Wer diese Unterlagen nicht fristgerecht einreicht, kann automatisch in die höchste Gebührenstufe eingeordnet werden. Die konkreten Anforderungen legt jede Universität beziehungsweise regionale Förderstelle fest.
Lebenshaltungskosten für Studierende
Studierende geben in Italien durchschnittlich etwa 700 bis 1.100 Euro pro Monat aus. Mailand, Rom, Bologna und Florenz sind häufig teurer als kleinere Städte im Süden oder in ländlichen Regionen.
Zum monatlichen Budget gehören:
- Zimmer oder Studentenwohnheim;
- Strom, Heizung und Internet;
- Lebensmittel;
- öffentlicher Nahverkehr;
- Lernmaterialien;
- Krankenversicherung;
- Freizeit und persönliche Ausgaben.
Ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft ist meist günstiger als eine eigene Wohnung. In Mailand und Rom kann allein die Miete einen großen Teil des Studentenbudgets beanspruchen.
Voraussetzungen für deutsche Bachelorbewerber
Das deutsche Abitur umfasst normalerweise die erforderliche zwölfjährige Schulbildung für den Zugang zu einem italienischen Bachelorstudium. Die endgültige Anerkennung und fachliche Bewertung übernimmt jedoch die jeweilige Universität.
Typischerweise werden benötigt:
- Abiturzeugnis;
- vollständige Notenübersicht;
- Personalausweis oder Reisepass;
- italienische oder englische Übersetzung;
- Sprachnachweis;
- gegebenenfalls Motivationsschreiben und Lebenslauf;
- eventuell CIMEA-Bewertung oder vergleichbare Anerkennungsunterlagen;
- Ergebnis eines vorgeschriebenen Aufnahmetests.
Für bestimmte Studiengänge werden Tests wie TOLC oder CEnT-S verwendet. Für das englischsprachige Medizinstudium kann eine Bewerbung über Universitaly und ein zentraler Aufnahmetest erforderlich sein.
Voraussetzungen für einen Master
Für einen italienischen Master, die sogenannte Laurea Magistrale, benötigen deutsche Bewerber einen anerkannten Bachelorabschluss.
Die Universität prüft insbesondere:
- Fachrichtung des Bachelorabschlusses;
- absolvierte Module und ECTS-Punkte;
- Notendurchschnitt;
- Englisch- oder Italienischkenntnisse;
- Motivation und akademische Eignung;
- gegebenenfalls Portfolio oder Berufserfahrung.
Häufig müssen Bachelorzeugnis, Transcript of Records, Lebenslauf und Motivationsschreiben über das Bewerbungsportal der Universität hochgeladen werden.
Welche Sprachkenntnisse werden verlangt?
Die meisten Bachelorstudiengänge werden auf Italienisch angeboten, während es auf Masterebene eine größere Auswahl englischsprachiger Programme gibt. Bei einem italienischsprachigen Studiengang prüft die Hochschule die erforderlichen Italienischkenntnisse.
Je nach Studiengang können verlangt werden:
- Italienischzertifikat, häufig auf fortgeschrittenem Niveau;
- IELTS Academic;
- TOEFL iBT;
- Cambridge English;
- universitätseigener Sprachtest;
- Nachweis eines vorherigen englischsprachigen Studiums.
Für ein vollständig englischsprachiges Programm ist normalerweise kein Italienischzertifikat erforderlich. Die Universität Padua weist dies beispielsweise ausdrücklich für ihre englischsprachigen Programme aus.
Wie läuft die Bewerbung ab?
Italien besitzt kein einheitliches Zulassungsverfahren für alle EU-Studierenden. Die Bewerbung erfolgt meist direkt über das Portal der gewählten Universität.
Der typische Ablauf ist:
- Studiengang über Universitaly oder die Universität suchen.
- Zulassungsvoraussetzungen und Fristen prüfen.
- Onlinebewerbung bei der Hochschule einreichen.
- Abitur- oder Bachelorunterlagen hochladen.
- Sprach- oder Aufnahmetest absolvieren.
- Zulassungsbescheid erhalten.
- ausländische Bildungsnachweise endgültig prüfen lassen.
- Studiengebühren bezahlen und Einschreibung abschließen.
Die Fristen unterscheiden sich erheblich. Einige Programme öffnen bereits im November, andere nehmen Bewerbungen von EU-Bürgern bis zum Sommer oder frühen Herbst an.
Benötigen Deutsche ein Studentenvisum?
Deutsche Staatsangehörige benötigen als EU-Bürger kein Visum für Italien. Bei einem Aufenthalt von mehr als drei Monaten müssen sie ihren Wohnsitz jedoch normalerweise bei der zuständigen Gemeinde im Melderegister, der Anagrafe, registrieren.
Dafür können unter anderem verlangt werden:
- gültiger Personalausweis oder Reisepass;
- Immatrikulationsbescheinigung;
- ausreichende finanzielle Mittel;
- Krankenversicherungsschutz;
- italienische Wohnadresse.
Stipendien für deutsche Studierende in Italien
1. Erasmus+
Für ein oder zwei Auslandssemester ist Erasmus+ häufig die einfachste Finanzierung. Studierende bleiben an ihrer deutschen Hochschule eingeschrieben, zahlen normalerweise keine Studiengebühren an der italienischen Partneruniversität und erhalten eine monatliche Mobilitätsförderung.
2. Auslands-BAföG
Da Italien zur Europäischen Union gehört, kann unter bestimmten Voraussetzungen auch ein vollständiges Studium bis zum italienischen Abschluss über Auslands-BAföG gefördert werden.
Die Förderung kann umfassen:
- monatlichen Lebensunterhalt;
- Reisekostenzuschuss;
- Zuschuss zur Krankenversicherung;
- gegebenenfalls einen Beitrag zu Studiengebühren.
3. Regionale DSU-Stipendien
Regionale Förderstellen vergeben einkommens- und leistungsabhängige Studienbeihilfen. In der Region Emilia-Romagna ist beispielsweise ER.GO zuständig.
Mögliche Leistungen sind:
- Geldstipendium;
- Wohnheimplatz;
- vergünstigte oder kostenlose Mensaverpflegung;
- Befreiung von Studiengebühren;
- Erstattung regionaler Abgaben.
Auch internationale EU-Studierende können sich bewerben, müssen aber ihre ausländischen Einkommens- und Vermögensnachweise fristgerecht einreichen.
4. Padua International Excellence Scholarship
Die Universität Padua vergab für 2026/2027 bis zu 68 Excellence-Stipendien für besonders qualifizierte internationale Bewerber englischsprachiger Bachelor- und Masterprogramme.
Die Förderung umfasst:
- 8.000 Euro brutto pro Studienjahr;
- Befreiung von den regulären Studiengebühren;
- Laufzeit von bis zu drei Jahren im Bachelor;
- Laufzeit von bis zu zwei Jahren im Master.
Regionalabgabe und Stempelgebühr bleiben weiterhin zu bezahlen.
Fazit: Lohnt sich ein Studium in Italien?
Ein Studium in Italien kann für deutsche Studierende deutlich günstiger sein als ein Studium in vielen englischsprachigen Ländern. An öffentlichen Universitäten liegen die Gebühren häufig unter 4.000 Euro pro Jahr und können durch ISEE, DSU-Stipendien oder Hochschulförderungen erheblich reduziert werden.
Entscheidend sind eine frühe Bewerbung, die sorgfältige Vorbereitung der Einkommensnachweise und die Prüfung der Unterrichtssprache. Besonders günstig ist ein Erasmus-Auslandssemester, während ein vollständiger Bachelor oder Master mit Auslands-BAföG und regionaler Förderung ebenfalls realistisch finanzierbar sein kann.
Offizielle Quellen
- Universitaly – Studiengänge und Hochschulen in Italien
- Universitaly – Erste Schritte für internationale Studierende
- European Education Area – Studium und Kosten in Italien
- Politecnico di Milano – Studiengebühren
- Universität Padua – Bewerbung für englischsprachige Programme
- Universität Padua – International Excellence Scholarship
- ER.GO – Stipendien und Studienförderung
- Your Europe – Aufenthaltsrecht für EU-Studierende



