Studieren in der Schweiz für deutsche Studierende: Kosten und Voraussetzungen
Studieren in der Schweiz für deutsche Studierende
Die Schweiz ist für deutsche Studierende wegen ihrer renommierten Universitäten, der kurzen Entfernung und zahlreicher deutschsprachiger Studiengänge attraktiv. Die Studiengebühren sind an vielen öffentlichen Hochschulen moderat, doch Miete, Lebensmittel und Versicherungen sind deutlich teurer als in Deutschland.
Wer in der Schweiz studieren möchte, sollte deshalb nicht nur die Zulassungsvoraussetzungen prüfen. Auch Aufenthaltsbewilligung, Krankenversicherung und ein realistisches Budget von häufig 1.700 bis 2.200 Schweizer Franken monatlich müssen frühzeitig eingeplant werden. Die Universität Zürich rechnet sogar mit einem Mindestbudget von etwa 2.200 Franken pro Monat.
Brauchen deutsche Studierende ein Visum?
Deutsche Staatsangehörige gehören als EU-Bürger zu den privilegierten Personengruppen und benötigen für die Einreise in die Schweiz kein Studentenvisum.
Bei einem Studienaufenthalt von mehr als 90 Tagen müssen sie sich jedoch bei der zuständigen Einwohnerkontrolle beziehungsweise kantonalen Behörde anmelden und eine Aufenthaltsbewilligung beantragen.
Dafür müssen deutsche Studierende grundsätzlich nachweisen:
- Zulassung oder Immatrikulation an einer anerkannten Hochschule,
- ausreichende finanzielle Mittel,
- gültige Kranken- und Unfallversicherung,
- gültigen Personalausweis oder Reisepass,
- Wohnadresse in der Schweiz.
Die Aufenthaltsbewilligung wird bei Studierenden normalerweise für die Studiendauer oder zunächst für ein Jahr mit jährlicher Verlängerung ausgestellt.
Wird das deutsche Abitur anerkannt?
Die allgemeine Hochschulreife wird in der Schweiz grundsätzlich als ausländischer Hochschulzugangsausweis anerkannt. Das Abitur führt jedoch nicht automatisch an jeder Universität und in jedem Studiengang zur direkten Zulassung.
Swissuniversities veröffentlicht für das Studienjahr 2026/2027 eine länderspezifische Übersicht. Neben dem Abitur müssen während der letzten drei Schuljahre normalerweise allgemeinbildende Fächer wie Sprachen, Mathematik, Naturwissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften belegt worden sein.
Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Universität:
- Universität Basel: Abiturnote 2,5 oder Nachweis eines Studienplatzes im gewünschten Fach an einer anerkannten deutschen Universität
- Universität Bern: Abiturnote 2,0 oder fachbezogener deutscher Studienplatz; für Biologie, Pharmazie und Psychologie ist der Studienplatznachweis verpflichtend
- Universitäten Freiburg, Genf, Lausanne, Luzern und Neuenburg: häufig Abiturnote 2,5 oder fachbezogener Studienplatznachweis
- Universität Zürich: Abiturnote 2,0 oder fachbezogener Studienplatz; für Psychologie und Biologie ist der Studienplatznachweis verpflichtend
- Universität St. Gallen: Abitur und zusätzliches Auswahlverfahren
- USI: Abitur und fachbezogener Studienplatznachweis
An ETH Zürich und EPFL gelten deutlich detailliertere Anforderungen an Prüfungsfächer, Noten und naturwissenschaftliche Vorkenntnisse. Ist eine Bedingung nicht erfüllt, kann eine Aufnahmeprüfung erforderlich werden.
Voraussetzungen für ein Masterstudium
Für die Bewerbung zu einem Masterprogramm benötigen deutsche Studierende normalerweise einen anerkannten Bachelorabschluss einer Universität oder Fachhochschule.
Die Hochschule prüft unter anderem:
- fachliche Übereinstimmung des Bachelorstudiums,
- absolvierte Module und ECTS-Punkte,
- Abschlussnote,
- Sprachkenntnisse,
- Motivation und berufliche Erfahrung,
- zusätzliche Anforderungen des Studiengangs.
Bei spezialisierten Masterprogrammen können Mindestnoten, Motivationsschreiben, Empfehlungsschreiben oder bestimmte Pflichtmodule verlangt werden. Eine automatische Zulassung allein aufgrund eines deutschen Bachelorabschlusses besteht nicht.
Welche Sprachkenntnisse werden verlangt?
Die erforderliche Sprache hängt von Hochschule und Studiengang ab.
Mögliche Unterrichtssprachen sind:
- Deutsch,
- Französisch,
- Italienisch,
- Englisch,
- mehrere Sprachen innerhalb eines Programms.
Die Hochschule legt fest, ob ein deutscher Schul- oder Hochschulabschluss als Sprachnachweis genügt oder ein zusätzliches Zertifikat verlangt wird. Bei englischsprachigen Programmen können beispielsweise IELTS oder TOEFL erforderlich sein.
Prüfen Sie die Unterrichtssprache jedes einzelnen Studiengangs. Besonders an französischsprachigen Hochschulen in Genf, Lausanne oder Neuenburg reicht Deutsch als alleinige Studiensprache normalerweise nicht aus.
Wie bewirbt man sich in der Schweiz?
Es gibt kein zentrales Bewerbungsportal für alle Schweizer Hochschulen. Die Bewerbung erfolgt normalerweise direkt über das Onlineportal der jeweiligen Universität.
Der typische Ablauf:
- Studiengang auf der Hochschulwebsite auswählen.
- Zulassungsbedingungen für deutsche Abschlüsse prüfen.
- Onlinekonto im Bewerbungsportal erstellen.
- Zeugnisse und Notenübersichten hochladen.
- Sprachzertifikat einreichen.
- Bewerbungs- oder Bearbeitungsgebühr bezahlen.
- Fehlende Dokumente fristgerecht ergänzen.
- Zulassungsentscheidung abwarten.
Häufig benötigte Unterlagen sind:
- Abiturzeugnis,
- Bachelorurkunde bei einer Masterbewerbung,
- vollständige Notenübersichten,
- Lebenslauf,
- Personalausweis oder Reisepass,
- Sprachnachweis,
- Motivationsschreiben,
- Modulbeschreibungen,
- gegebenenfalls deutscher Studienplatznachweis.
Die Bewerbungsfristen unterscheiden sich stark. Internationale Bewerber haben teilweise frühere Fristen als Schweizer Bewerber. Maßgeblich ist immer die offizielle Studiengangsseite.
Studiengebühren in der Schweiz 2026/2027
Die Gebühren werden pro Semester erhoben. Deutsche Studierende können je nach Hochschule als ausländische Studierende eingestuft werden.
Beispiele für 2026/2027:
- Universität Basel: 850 Franken
- Universität Bern: 2.550 Franken
- Universität Freiburg: 870 Franken plus 115 Franken Pflichtgebühren
- Universität Genf: 435 Franken plus 65 Franken Pflichtgebühren
- Universität Lausanne: 500 Franken plus 80 Franken Pflichtgebühren
- Universität Luzern: 1.025 Franken plus 90 Franken Pflichtgebühren
- Universität Neuenburg: 775 Franken
- Universität Zürich: 1.220 Franken im Bachelor oder 820 Franken im Master, jeweils plus 59 Franken Pflichtgebühren
- Universität St. Gallen: 3.103 Franken im Bachelor oder 3.317 Franken im Master, zusätzlich etwa 240 Franken Pflichtgebühren
- ETH Zürich und EPFL: jeweils 2.190 Franken zuzüglich Semestergebühren
Einmalige Anmelde- oder Bewerbungsgebühren können hinzukommen. Fachhochschulen, private Hochschulen und einzelne Spezialprogramme dürfen erheblich höhere Preise verlangen.
Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten?
Die Lebenshaltungskosten sind meistens deutlich wichtiger als die Studiengebühren.
Ein realistisches monatliches Budget umfasst:
- Unterkunft: etwa 600 bis 1.000 Franken
- Lebensmittel und Haushalt: etwa 400 bis 500 Franken
- Verkehr: etwa 80 bis 120 Franken
- Lernmaterialien: etwa 50 bis 200 Franken
- Krankenversicherung: abhängig vom Versicherungsstatus
- Telefon, Kleidung und Freizeit: etwa 200 bis 350 Franken
Die Universität Basel kalkuliert für auswärts wohnende Studierende 2026 mit etwa 2.050 bis 2.150 Franken monatlich. In Zürich wird ein Mindestbudget von rund 2.200 Franken empfohlen.
Für ein Studienjahr sollten daher ohne Studiengebühren ungefähr 20.000 bis 26.000 Franken verfügbar sein.
Krankenversicherung für deutsche Studierende
Deutsche Studierende, die weiterhin gesetzlich in Deutschland versichert sind und in der Schweiz nicht arbeiten, können häufig ihre Europäische Krankenversicherungskarte verwenden.
Sie müssen jedoch bei der zuständigen kantonalen Behörde eine Befreiung von der Schweizer Versicherungspflicht beantragen beziehungsweise den bestehenden Versicherungsschutz nachweisen.
Sobald eine Erwerbstätigkeit in der Schweiz aufgenommen wird, greift grundsätzlich das Erwerbsortsprinzip. Dann kann eine Schweizer Krankenversicherung verpflichtend werden.
Klären Sie vor dem Umzug mit Ihrer deutschen Krankenkasse:
- ob die Mitgliedschaft bestehen bleibt,
- ob die EHIC für das gesamte Studium gilt,
- welche Leistungen in der Schweiz übernommen werden,
- ob eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung sinnvoll ist.
Finanzierung mit Auslands-BAföG
Ein vollständiges Studium in der Schweiz kann grundsätzlich vom Studienbeginn bis zum ausländischen Abschluss durch Auslands-BAföG gefördert werden.
Zusätzlich zum regulären Bedarf können je nach Fall Zuschläge gewährt werden für:
- notwendige Studiengebühren,
- Reisekosten,
- Krankenversicherung,
- weitere auslandsbedingte Kosten.
Der Zuschlag für notwendige Studiengebühren wird unter bestimmten Voraussetzungen als Vollzuschuss gewährt und muss nicht zurückgezahlt werden. Auch Studierende ohne Inlands-BAföG-Anspruch sollten einen Antrag prüfen, weil die Berechnung im Ausland anders ausfallen kann.
Weitere Finanzierungsmöglichkeiten sind:
- DAAD-Stipendien,
- Begabtenförderungswerke,
- Hochschulstipendien,
- kantonale oder private Stiftungen,
- Swiss-European Mobility Programme für Austauschaufenthalte.
Für Austauschprogramme läuft 2026 weiterhin das Swiss-European Mobility Programme, kurz SEMP. Die Bewerbung erfolgt normalerweise über das International Office der Heimathochschule.
Fazit
Studieren in der Schweiz für deutsche Studierende ist ohne Visum möglich, aber nicht automatisch günstig oder zulassungsfrei.
Das deutsche Abitur wird grundsätzlich berücksichtigt, doch viele Universitäten verlangen eine bestimmte Abschlussnote oder zusätzlich einen deutschen Studienplatz im gewünschten Fach. ETH Zürich, EPFL und Universität St. Gallen besitzen besonders anspruchsvolle Auswahlverfahren.
Die Studiengebühren liegen häufig zwischen 500 und mehr als 3.000 Franken pro Semester. Wegen der hohen Lebenshaltungskosten sollten Studierende zusätzlich mindestens 1.700 bis 2.200 Franken monatlich einplanen und Auslands-BAföG sowie Stipendien frühzeitig prüfen.
Offizielle Quellen
- Swissuniversities – Zulassung mit deutschem Schulabschluss
- Swissuniversities – Studiengebühren der Schweizer Universitäten
- Schweizer Behördenportal – Aufenthalt für EU-Studierende
- Bundesamt für Gesundheit – Krankenversicherung für ausländische Studierende
- Bundesportal Deutschland – Auslands-BAföG
- DAAD – Länderinformationen Schweiz
- Movetia – Swiss-European Mobility Programme



